| ...In Mundrachingen hoch und frei... |
Musikalisches |
Hier sind zunächst Audio-Files im WAV-Format der ausschliesslich in Munderkingen vorhandenen Fasnetslieder zusammengestellt. Unten finden Sie nähere inhaltliche, historische Erklärungen, Noten und Liedtexte. MP3-Files werden demnächst zur Verfügung gestellt.
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Rufe |
8kHz 352kB |
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| Munderkinger Narrenmarsch (2/4) Stadtkapelle Munderkingen |
8kHz 254kB |
22kHz 681kB |
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| Munderkinger Narrenlied (3/4) 1. Strophe Gesang Liederkranz/Narrenzunft |
8kHz 281kB |
22kHz 775kB |
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| Hopser und Schleifer zum Brunnensprung Stadtkapelle Munderkingen |
8kHz 376kB |
22kHz 1034kB |
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| Hopser uns Schleifer 1. Strophe - Gesang Liederkranz/Narrenzunft |
8kHz 385kB |
22kHz 1059kB |
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| Hopser uns Schleifer 2. Strophe - Gesang Liederkranz/Narrenzunft |
8kHz 299kB |
22kHz 824kB |
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| Hopser uns Schleifer 3. Strophe - Gesang Liederkranz/Narrenzunft |
8kHz 307kB |
22kHz 844kB |
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| Belagerungslied "Auf auf Ihr Bürger..." Stadtkapelle Munderkingen |
8kHz 187kB |
22kHz 1029kB |
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| Lied der Trommgesellen Trommler und Pfeifer der Zunft |
8kHz 333kB |
22kHz 918kB |
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| Munderkinger Narrenlied (3/4) - 1. Strophe Gesang Liederkranz/Narrenzunft |
| 8kHz 281kB |
22kHz 775kB |
NARRENLIED
1.
In Mundrachingen hoch und frei,
Hat stets gegolten Narretei,
Wir aber sind die Erben und lassen nicht verderben
Die närrische Zeit, die närrische Zeit,
Die närrische, närrische Zeit, juchei!2. Graf Rüdiger die Centurn führt,
Ihm alle Ehr und Freud gebührt,
Gewährt das Brunnenspringen
Wovon wir heut` noch singen.
Zur närrischen Zeit, zur närrischen Zeit,
Zur närrischen, närrischen Zeit, juchei!3.
Und Trommgeselle, Trommelmaid,
Sie geben paarweis das Geleit,
Zwei Springern, Auserwählten
Bevor sie sich vermählten.
Zur närrischen Zeit, zur närrischen Zeit,
Zur närrischen, närrischen Zeit, juchei!4.
Dem Springer, auf des Grafen Wunsch
Ist nun zu bieten heisser Punsch;
Die Maischer wall`n in Eifer,
Zum Tanz von Hopser und Schleifer.
Zur närrischen Zeit, zur närrischen Zeit,
Zur närrischen, närrischen Zeit, juchei!5.
Bringt aus ein Hoch auf Magistrat,
Auf Pfarrherr, Schulze, Komitat,
Stürzt drauf sich in die Fluten,
Sich dann nach Haus zu sputen.
Zur närrischen Zeit, zur närrischen Zeit,
Zur närrischen, närrischen Zeit, juchei!6.
Hier herrscht nur ungetrübte Freud,
Des Frohsinns, der Geselligkeit;
Seit mehr denn 1000 Jahren,
Wir Kunde hiervon wahren.
Zur närrischen Zeit, zur närrischen Zeit,
Zur närrischen, närrischen Zeit, juchei!
Der Narrenruf der Munderkinger ist ein kraftvolles "Narro - Hee!" Begegnet man aber Bekannten oder Freunden, wird aber ganz selbstverständlich der Ruf "Dees ischt der graischt Lomp!" gebraucht. Eine Beleidigung ist dieser Spruch zur Fasnetszeit nicht. Es sind aber noch weitere Sprüche während der Narrenzeit in Gebrauch, die auch gesungen werden und die der aus dem Jahre 1930 stammenden Version des Narrenmarsches, welcher von Franz Springer aus Stuttgart vertont wurde, vorangestellt sind:
"Des send de graischte Lompa,
Dees send de graischte Lompa,
Heut goht ällz zum Gompa,
Mit de grausse Lompa!""Ma zendt, ma zendt dr Fasnet rei,
D`Baura hand koi Wasser maih,
D`Baura müassat gompa,
Wie de grausse Lompa.""Wecka raus,
Wecka raus,
As a warme Wusla raus!"
Die Melodien dieser Rufe sind mündlich überliefert,und wurden zusammen mit dem Locher`schen Narrenlied von Musikdirektor Franz Springer aus Stuttgart noch in den 19-dreißiger Jahren von Franz Springer, Stuttgart, im Stil einer Marschmusik komponiert bzw. arrangiert. Der Munderkinger Narrenmarsch ist also eine Art Patchwork aus mittelalterlichen Narrenrufen und neuzeitlicher Komposition.
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Rufe (2/4) |
8kHz 352kB |
| Munderkinger Narrenmarsch (2/4) Stadtkapelle Munderkingen |
8kHz 254kB |
22kHz 681kB |
Das Belagerungslied geht auf einen Text des Munderkinger Mundartlyrikers Carl Borromäus Weitzman zurück
13.
Eigentlich handelt es sich um eine Satire der bissigsten Sorte. Es werden sogar Funktionsträger beschrieben,
Bürger beim Namen genannt und regelrecht vorgeführt. Der Legende nach, haben sich einige Munderkinger für diesen und
andere satirischen Texte revanchiert und den Dichter von der Donaubrücke geworfen.
Der Text hat übrigens auch andernorts Spuren hinterlassen.
In der Villinger Fasnet wird das "Villinger Burgerlied" gesungen. Der 18-strophige Text ist eine auf die dortigen Gegebenheiten angepasste Variante von Weitzmanns Gedicht. Auch in Schiltach wird dieses "Burgerlied" in einer
16-strophigen Variante gesungen. In Wolfach wurde die Munderkinger Belagerung einem
Fasnachtsspiel im Jahre 1866 aufgeführt. Aber auch in Munderkingen gab es 1892 ein
Fasnachtsspiel über die Belagerung der Stadt.
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| Belagerungslied "Auf auf Ihr Bürger..." Stadtkapelle Munderkingen |
8kHz 187kB |
22kHz 1029kB |
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Im folgenden der Originaltext von Carl Borromäus Weitzmann:
Der Ausfall der Munderkinger im Jahre 1798
Auf, auf ihr Burger, stauhd ins Gwehr!
D'Franzosa rucket ei,
Se breachet scho wie's Muathes Heer
Beim Kuglaweth det rei.
Ihr Burger fasset Muth und List,
Sonst goht es hinterfür,
Verkloibet ´s Thoar mit Dreck und Mist,
Und theand da Rigel für!
Der Burgermoister muß vora,
Potz Steramordio!
Er hot en geala Kittel a
Und Fransa am Schappo;
Und hinter deam wohlweise Roth
Der Dianer von der Stadt,
Weil ear da g'weihta Säbel hot
Vom graußa Goliath.
Was d'Weiber sind, dia sitzet jetzt
Uf d'Rothaus-Miste na,
Statt ihrem G'schoi ond Lumpag'schwätz
Beat jeda für da Ma.
Und fällt a Bombakugel gau
Uf euser Städtle ra,
So schreiet nu reacht Fuiriau,
Und bronzet drüber na.
Der Schopfbeck und der Dauderlau
Und ´s Doigelbecka Franz
Stauhd mit em alta Fuiriau
Scho dussa uf der Schanz.
Se wehret se mit Händ und Füaß,
Und au der Stricker Leaz,
Dear hot von hundert Schua en Spiaß
Und ´s Nudelbritt am Heaz.
Der Hendschadätte und der Brack
Und d' Lumpanais und d' Schneck,
Dia füllet scho da Huzlasack
An Poataläri's Eck.
Us Hecklaberis Annamarei
Und ´s Haldakoata Gret,
Dia kochet scho da schwaza Brei
Für d' Generalität.
Der Schloiz, der Bögler und der Rast
Sind kuglafest äll drei,
Unds Heklaberi's Arbogast
Ist Kaparal darbei.
Däs ist a Ma, so get's it viel,
Der ist bigott so steack,
Der reißt em Tuifel, wemma's will,
Da Zopf und d' Hora weack.
Dia Grenadierer kommet äll
Vom Korpus Christi Fest,
Se traget Kittel rauth ond geal
Und Büchsa und Pallest.
Us Hairle schlät sie au derzua,
Er reit sei Räpple fei,
Und uf der alta Spittel-Kuah
Sei Hausre hinda drei
Ma pfeift, ma trommelt scho darzua,
Dot schwenkt der Wusel-Beck
Da Fahna, und as Bandtlis Bua
Macht Kugla us am Dreck.
Der Matter us em Darraloch
Hot gar zwoi Deaga a,
Und's Hänsele vorem Ofaloch
Der geiget em vora.
Jez allo, hutig d' Spritza raus!
A siadigs Wasser nei,
No stritzet nu reacht Huzla naus,
No traut si Koiner rei.
Ihr liabe Burger! ´s hot koi Nauth,
Bald hoißts Viktoria!
Mir weand dia Koga, sind se taud
Noch aist no täuder schla.
A jeder Burger neahm sei Büchs,
Und lad drui Aescha* nei,
A Hänvoll Kloßa** druf, sost nix
No sind d'Franzosa sei.
Und hot a jeder statt der Muck
An Lukaszeadel dra,
Am Schapper ´s Amulet, no druck
A jeder, was er ka.
Jetzt watet nu, i komm gau glei,
Trink nu mei Stümple aus,
Der Bua von Nisi's Annamarei,
Trait scho mei Büchs voraus.
Der ist a Büchs wia ´s Koiner moit,
Dui klöpft as wia a Bomm,
Voar deaner Büchs do fällt der Foid
Mit samt em Schütza om.
Du lieber Gott! Jez gib mer Gnad,
Jez goht der Rumpel a.
O Uschl! Gib mer d' Aeschalad,
Und richt mehr d' Klotza na.
Guck Uschel! guck, do stoht er grad,
Biff, baff, die Zeit ist aus!
Der Donner schla in d'Aeschalad,
Dear Kearle lacht mi aus!
Komm, Uschel! komm, mer weand jez hoi,
Mei Schiaßerei hoißt nix,
Du hollst zwoi nuie Flintastoi
Und i mei Doppelbüchs.
Des ist a Büchs, so geits koi Büchs,
Schiar d'Aeschalad goht nei,
As fehlt er nur der Hah, sost nix,
No seand d' Franzosa mei.
* Erbsen
** Abfa'l vom Werg.
Hopser und Schleifer, die beiden Tänze der Brunnenspringer waren im 18. Jahrhundert
die typischsten schwäbischen Tanzformen. In einer württembergischen Tanzverordnung
vom 18. Juni 1765 findet folgendes Verbot Erwähnung: "... dass die ärgerlichen
Walz- und Schleifertänze ein für allemal gänzlich verboten seyen und bleiben
sollen"
11. Schleifer waren enge Paartänze, die sowohl im reißenden 3/8 oder
im geschwinden 2/4-Takt gespielt wurden. Der Schleifer hatte ursprünglich zwei
Teile. Im ersten Teil warb der Tänzer um die Tänzerin und versuchte, die Fliehende
immer wieder einzufangen. Der zweite Teil bildete das Zusammenfinden der beiden
in einem engen Rundtanz, dem eigentlichen Schleifer
12. In der weiteren Folge
verstand man unter dem Schleifer nur mehr einen dem Ländler und frühen Walzer
ähnlichen Tanz. Der Hopser war ein derber Paarrundtanz sowohl im 2/4- als auch
im 3/4-Takt, dann als Hopswalzer. Heute dreht sich der Brunnenspringer im 3/4-Takt
um die eigene Achse, schwingt dann die Beine übereinander und verbeugt sich
zuerst zu den Zuschauern und dann zum Brunnen.